Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.

Städte und die Arbeitswelt der Zukunft

Weltweit sind Städte attraktive Zentren des Wissens und Entwicklungsmotoren für komplette Regionen. Der Lebensraum Stadt ist wieder „cool“ und zieht besonders die „Kreative Klasse“ an. Diese vielfältige Gruppe hat eine exzellente Ausbildung und den Hang, den Wohnort nach Belieben je nach Auftrags- und Projektlage zu wechseln. Die „Kreative Klasse“ verbindet die Bereiche Wissenschaft, Bildung, Kunst, der IT und Medien. Speerspitze ist natürlich die Kreativwirtschaft etwa Werbeagenturen und Architektur-Büros. Nicht alle Unternehmen in diesem Bereich haben sofort die besten Startbedingungen, dennoch sind viele auf dem Sprung in die wirtschaftliche Tragfähigkeit. Die Wirtschaftskraft der Kreativen Klasse lässt sich bereits in harten Zahlen messen. Wissensorientierte Wirtschaft wächst dort wo Technologie, Talent und Toleranz anziehende Wohnungs- und Arbeitsumfelder schaffen.

Kreative Klasse als Standortfaktor
Die Größe der Kreativen Klasse ist nicht nur ein regionaler Wirtschaftsfaktor, durch ihre Attraktivität ziehen sie weitere Unternehmen an. Aussichtsreiche Existenzgründer und expandierende Unternehmen orientieren sich bei der Standortwahl nicht mehr nur an harten Industriefaktoren, sondern auch am Potential der Kreativen Klasse vor Ort. Hier finden sie qualifizierte Mitarbeiter und bieten ihnen gleichzeitig einen attraktiven Wohnort. Je attraktiver der Standort, desto mehr hochqualifizierte Menschen sind bereit für einen Ortswechsel.

Die Kreative Klasse ist von vielen Seiten begehrt und besonders wählerisch was den Wohnort angeht. Daher ist es die große Herausforderung für Städte, sich in diesem Wettbewerb um die kreativen Köpfe richtig zu positionieren. Kreative müssen mit attraktiven Angeboten gelockt und gebunden werden, sonst sind sie auf dem Sprung in eine neue Stadt. Das bedeutet nicht nur angemessenen Wohnraum bereitzustellen, sondern auch ein attraktives Freizeitprogramm mit einer attraktiven Off- und Sub-Szene zu bieten.

Utopia Parkway 1
Utopia Parkway 2
Utopia Parkway 3
Utopia Parkway 4
 

„Coole“ Stadt
Welche Instrumente haben Städte, um die Kreative Klasse anzuziehen. Wann sind Städte – und nicht zuletzt Stuttgart – „cool“? Was konkret sucht die Kreative Klasse? Kreative suchen gerne ihresgleichen, denn nur in Zusammenspiel unterschiedlicher Idee lassen sich neue Projekte entwickeln. Ein Klima der Toleranz und der Anerkennung unterschiedlicher Lebenskonzepte ist die Basis. Zentral sind Orte mit einer starken kulturellen Szene, die nicht immer in den geregelten Bahnen des subventionierten Kulturbetriebs laufen müssen. Die Auseinandersetzung mit Impulsen und Kunst-Anreizen fördert das eigene kreative Potential. Neue Ideen und Projekte entstehen, die wiederum Ideengeber für die Zukunft sind. Innerhalb dieses kreativen Pools werden unkonventionelle Herangehensweisen und Arbeitsweisen gepflegt, die Vorbildcharakter für die Arbeitswelt der Zukunft haben. Die erfolgreiche, globalisierte Wirtschaft der Zukunft ist mehr denn je darauf angewiesen, das vorhandene Wissen zu neuen lukrativen Produkten und Dienstleistungen zu kombinieren. Hier weisen Arbeitsweisen der Kreativen, wie etwa Coworking-Spaces einen Weg.

betahaus Berlin

Das betahaus Berlin ist der erste Coworking-Space in Deutschland.

Kreativität nach Rezept?
Für den Aufbau dieser Lebenswelt gibt es keine „one-size-fits-all“-Strategie die auf alle Städte und Regionen passt. Kreativität lässt sich nicht verordnen! Es lohnt nicht, sich mit hohem Werbeaufwand als Galionsfigur der kreativen Städte nach vorne zu schieben.
Das kreative Potential einer Stadt wächst von unten. Die Pflänzchen kann man fördern, ohne sie jedoch mit einer Gießkanne Geld zu ertränken. Bereiche der Wirtschaftsförderung, Stadtentwicklung und Bildungsarbeit müssen integrativ gedacht werden. Flexibel und unbürokratisch – das sind die wichtigen Schlagworte. Auch die Stadtverwaltungen müssen das kreative „um-die-Ecke-denken“ erst lernen. Da liegt die Herausforderung auf der Hand, denn die „Kreative Klasse“ und ihre Bedürfnisse sind bisher nicht in den Köpfen der Verwaltung angekommen.
Der Werkzeugkasten der Städte bietet Stipendien und Förderpreise, aktives Quartiersmanagement, denn die kreative Szene, kann gefährdete Stadtquartiere beleben. Pools für leerstehende Räumlichkeiten fördern die wichtigen Interimsnutzungen, denn die kreative Szene sucht kurzfristig Räume für Ausstellungen, Performances oder disziplinenübergreifende Veranstaltungen, die zum Austausch von Ideen anregen. Netzwerke untereinander und mit den Universitäten sind zentral und die Hürde in die Existenzgründung muss niedrig gehalten werden. Wenn der Werkzeugkasten Wirkung zeigt, lohnt eine Kampagne, die dieses Image auch über die Region hinaus transportiert.

Wo steht Stuttgart?

FAZ Ranking

Eine Studie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Roland Berger Consulting sortiert Stuttgart – für manch einen vielleicht überraschend – an der Spitze neben München und Frankfurt a.M. ein. Das liegt besonders an den hervorragenden Universitäten und der Spitzenindustrie im Bereich Automotive, die auf den ständigen Fluss kreativer Köpfe angewiesen sind. Alles Bestens? Weit gefehlt!
Deutschland ist noch in einer frühen Phase beim Umbau in die Wissensgesellschaft. Gerade in einer stark auf die Industrie angewiesenen Umgebung wie Stuttgart, gehen Veränderungsprozesse nur langsam voran. Kultur und ihre Leistung für die Innovationsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft wird ignoriert, als „nice to have“ betrachtet und in wirtschaftlichen Krisenzeiten weggespart. Doch Kultur ist nicht mehr nur Versorgung der Bevölkerung, sondern hat wirtschaftliches Potential bei Arbeitsplätzen und Steuereinnahme. Bis diese Erkenntnis durchgesickert ist, ist der Weg zur „coolen Stadt“ noch weit.

Tour durch die Kreativwirtschaft

Die Grüne Fraktion besucht Akteure der Kreativwirtschaft, wir waren bereits bei…

Strichpunkt
Interventionsraum / Utopia Parkway

Basisdebatten im Erdgeschoss