
von Thekla Walker 18.04.09, 12:18 Uhr
Teil 1: „Mit dem Rad in die Schule?“
In loser Folge möchte ich an dieser Stelle Themen rund um das Leben von Kindern in der Stadt vorstellen. Als Mutter von zwei Schulkindern und Pädagogin beschäftigt mich dieses Thema naturgemäß immer wieder in meinem Alltag.
Am Montag beginnt die Schule wieder. Die Osterferien enden am Sonntag und am Montag früh werden spätestens wieder die Ranzen gepackt und los geht’s. Die Frage ist aber wie? Glaubt man Neurobiologen, Kinderärzten und Pädagogen, wäre es enorm wichtig, den Schulweg wenn schon nicht zu Fuß, dann doch wenigstens mit dem Rad zurückzulegen. Gesundheitliche und psychische Auffälligkeiten bei Kindern nehmen immer mehr zu. Eine der Hauptursachen sehen Experten unter anderem in dem zunehmenden Bewegungsmangel. Kinder brauchen für ihre gesunde Entwicklung Bewegung, frische Luft und nicht zuletzt Selbstständigkeit, die ihr Selbstbewusstsein stärkt. Auf dem Schulweg kann man eine Menge entdecken und erleben. Zum Beispiel, wie sich Natur im Laufe der Jahreszeiten verändert, oder Tiere - wie Vögel, Eichhörnchen, Regenwürmer – von denen es auch in der Stadt eine Menge gibt.
Natürlich gibt es je nach Alter unterschiedliche Interessen und Möglichkeiten. Während Grundschulkinder im Idealfall laufen sollten, können alle Schulkinder, die den Fahrrad-Führerschein in der vierten Klasse gemacht haben, mit dem Rad in die Schule fahren. In Stuttgart sehen allerdings einige Eltern zu Recht den Weg mit dem Rad - oder auch zu Fuß - in die Schule als gefahrvolle Unternehmung an. Gut ausgebaute Radwege gibt es in Stuttgart kaum, häufig werden sie von parkenden Autos blockiert oder sie enden so plötzlich, wie sie an manchen Stellen begonnen haben. Autos und Straßenbau haben in Stuttgart eben immer noch oberste Priorität. In der Folge fahren etliche Eltern ihre Kinder in die Schule, aus Sorge, dass ihnen auf dem Weg etwas passieren könnte. Damit tragen sie selbst zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen bei, das wiederum Kinder auf dem Weg zur Schule gefährden kann. Ein Teufelskreis.
Wir Grünen fordern seit jeher, dass die Bevorzugung des Autoverkehrs ein Ende finden muss. Wir brauchen keine weiteren Absichterklärungen, den Radverkehr fördern zu wollen, sondern endlich die Umsetzung. OB Schuster hat versprochen, den Radverkehrsanteil auf 20 Prozent zu steigern. Der normale Radwegeetat lässt aber einen Ausbau in diesem Ausmaß nicht mal ansatzweise zu. Im Herbst entscheidet der neu gewählte Gemeinderat über ein neues Radverkehrskonzept und die Finanzierung. Die Grünen werden sich konsequent für eine Aufwertung des Radverkehrs in der Stadt einsetzen. Denn Stuttgarter Schulkinder brauchen heute schon ein Netz verlässlicher und sicherer Radwege.
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