
von Vittorio Lazaridis 19.10.10, 12:14 Uhr
Ungefähr ein Viertel der Bevölkerung Stuttgarts hat keinen deutschen Pass. Sogar fast die Hälfte verfügt über einen so genannten Migrationshintergrund. Das Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen funktioniert in fast allen Stadtteilen gut, nicht immer reibungslos. Wir sind froh, dass es keine ausländer- oder deutschfeindlichen Viertel gibt. Wir wissen, wo es klemmt; wir wissen, wo es besser sein könnte, aber wir zeigen nicht mit Fingern auf Migranten. Wir sind alle Menschen, die hier leben. In den letzten Wochen haben wir heftige politische Auseinandersetzungen erlebt, weil die Bürger die Nase voll haben von scheinbaren Sachzwängen. Sie mischen sich ein, diskutieren miteinander, wollen von Anfang an informiert werden. Darauf bauen wir. Auf eine Bürgerschaft, die sich kümmert, die die Sache in die Hand nimmt, wenn sie sich alleine gelassen fühlt.
Nicht nur die Zugereisten sind in der Pflicht. Wir müssen uns gemeinsam anstrengen. Diese Stadt lebt von der Einwanderung. In manchen Bereichen ist die Integration besser geglückt, in anderen weniger. Dies wird am deutlichsten in den Schulen, die bei der Bewältigung dieser Aufgabe viel Hilfe brauchen. Hier müssen wir bessere Bedingungen schaffen, denn hier wird der Grundstock gelegt. Bildung ist der Schlüssel zur Integration.
Wir müssen uns hüten und dagegen streiten, dass das religiöse Bekenntnis als Grund für mangelnde Integration herhalten muss. Das ist zu einfach und zu billig. Es ist die soziale Spreizung unserer Gesellschaft, die viele nicht teilhaben lässt. Hier ist die Stadt gefordert, die Voraussetzungen für die soziale Integration zu schaffen. Das Job Center in kommunaler Regie zu führen, den Ausbau der qualitativen Kinderbetreuung zu beschleunigen und unsere Stadtquartiere aufzuwerten – das hilft und nicht das Reden über Mängel.
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