
von Peter Svejda 28.04.09, 11:44 Uhr
Vor gut einer Woche hat das neue Sommersemester begonnen. Wer studiert, kennt das Lied: Überfüllte Hörsäle, überbuchte Kurse und – zumindest in Teilen – überarbeitete Studenten.
Wer nicht mit Schulden in das Leben nach der Uni ziehen möchte braucht mindestens einen, häufig aber auch zwei Nebenjobs. Schließlich gilt es einiges zu bezahlen: Miete, Studiengebühren, ÖPNV-Tickets. Insgesamt kann man sagen, Stuttgart geht mit seinen Studenten nicht gut um. Wohnheime sind überfüllt, Studiengebühren werden trotz Befreiung zuerst prophylaktisch eingezogen um später erst nach großem Querelen ausbezahlt zu werden (wobei die Uni mit den Zinsen gute Geschäfte auf dem Rücken des je einzelnen Studenten macht), Studi-Tickets sind im Städtevergleich exorbitant teuer. Stress, Leistungsdruck und schlechtere Ergebnisse sind vorprogrammiert. Kein Wunder, dass das Burn-Out-Syndrom mittlerweile viel öfter als früher auch bei Studenten auftritt und nicht mehr reine Manager-Krankheit ist.
Aber Ha! Da fällt mir doch spontan was ein: War da nicht mal was mit Studiengebühren und verbesserter Lehre?
Pustekuchen. Letztlich bleibt nach dem Verwaltungsaufwand, gestiegenen Heizkosten, etc. wenig für eine Verbesserung übrig. Und ob es tatsächlich eine Verbesserung darstellt, dass in einem PC-Pool nun Flachbildschirme stehen, sei mal dahingestellt. Hauptsache ist, das die Lehre insgesamt wieder Priorität genießt an der Universität – und nicht in erster Linie die Spitzenforschung. Dafür braucht es nun einmal mehr Stellen, in meinen Augen wäre die bessere Ausstattung mit Dozenten und Tutoren eine sinnvolle Verbesserung der Lehre.
Jetzt ist mir natürlich auch klar, dass die Hochschulpolitik in der Zuständigkeit des Landes und nicht der Stadt liegt – das allein ist aber nur die halbe Wahrheit.
Die Stadt steht in der Pflicht
Deswegen an alle Studenten: Mischt euch ein!
Möglichkeiten dafür gibt es in der Kommunalpolitik oder direkt an der Hochschule. Eine erste Gelegenheit ist schon heute Abend, wenn sich der AK Bildung trifft um über die Möglichkeiten zur Verbesserung des Bildungssystems und einen Bildungsstreik zu beraten.

Bis dann und Viel Glück
Peter
Hi Peter, vielen Dank für deinen gelungenen Beitrag; nachdem ich die letzten zwei Semester an der Uni Stuttgart als Honorarlehrkraft gearbeitet habe, kann ich Dir aus eigenen Erfahrungen nur zustimmen. Es ist nicht genügend Geld da, um ausreichend Personal zur Betreuung z. B. der ersten Semester zur Verfügung zu stellen. Die Studis sind wie Ölsardinen in Arbeitsräume gepfercht - ein gruppendynamisches Erlebnis auf manchmal ganz reizvolle Weise, aber hauptsächlich doch auch sehr stresslastig.
Ihr Betroffenen alle, macht doch endlich mal wieder eine richtig große Demo auf!!!!! Ich laufe mit.
Wie war es beim AK Bildung? War da früher ja mal Sprecher…. ;-)
Das mit den Zinsen stimmt allerdings nicht - laut Hochschulgesetz dürfen die Gelder nicht angelegt werden. Somit freut sich erstmal die Bank über zinsfreies, frisches Kapital.
Kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die Studiengebühren nicht unbedingt sinnvoll eingesetzt werden - wir hatten etwa ein halbes Jahr nach Einführung der Gebühren die erste Kommissionssitzung darüber, wofür und wie wir das Geld denn ausgeben könnten (und wer davon zu befreien ist) …
Leider haben Stadt und Gemeinderat in dem Bereich nicht wirklich viel zu sagen. Aber das Studi- (und Azubi!-)Ticket ist wirklich ein ganz wichtiges Thema. Insgesamt setzt die Stadt eher auf teuren Nahverkehr, der den Autoverkehr möglichst wenig stört (U-Bahn statt Tram). Hier war das Konzept von Boris Palmer zur Einführung einer Straßenbahn im Zentrum wirklich bahnbrechend. In Karlsruhe - der ungeliebten Badener Metropole - hat man das schon lange erkannt und baut das erfolgreiche und billigere Schienennetz immer weiter aus. Wenn man wirklich Autoverkehr vermeiden will, den Stau im Talkessel etwas abbauen und die Feinstaub- und Schadstoffbelastung reduzieren, dann sollte man auf jeden Fall einen attraktiveren Nahverkehr basteln - auch mit günstigeren Studi-Tickets! Und da kann die Stadt sehr viel dran tun …
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