
von Anna Deparnay-Grunenberg 25.01.12, 17:16 Uhr
Mit viel Luft nach oben
Stuttgart tanzt auf vielen Hochzeiten: Kinderfreundlichkeit, E-Mobilität und auch Klimaschutz. Der durchschlagende Erfolg ist bei der Umsetzung des Klimaschutzkonzepts KLIKS bisher leider nicht auszumachen. Ziel war es von 1990 bis 2005 30% der CO2-Emissionen einzusparen. Bei 9,7t auf 8,9t pro Einwohner und Jahr liegt die ernüchternd Bilanz bei blamablen 7%, bis 2010 wird es mit 12% nicht überzeugender. Andere Kommunen wie Hannover und Mannheim sind weiter. Es gibt Erfolgsgeschichte wie das Energie-Contracting der Stadtverwaltung und die anspruchsvollen Energierichtlinien für Neubauten, die Investoren in die Pflicht nehmen. Im Bestand schaffen wir mit den Schulhaussanierungen einen verbesserten CO2-Fußabdruck und mittelfristig wird das Stuttgarter Innenentwicklungsmodell (SIM) seine Wirkung wider die Versiegelung der grünen Wiese entfalten. Energiesparen ist ein Wirtschaftsfaktor, die Stadt konnte bisher 433 Mio. Euro sparen und das lokale Handwerk erhielt Aufträge im Wert von 205 Mio. Euro. Doch wie kommen unserem Reduktionsziel näher? Wie kann man über einzelne, häufig unbekannte Programme, hinausgehen? Die Stadt muss herausfinden, wie sie jeden einzelnen Bürger zum Energiesparen motivieren kann. Mit 600 Autos pro 1.000 Einwohner liegt Stuttgart bundesweit vorne. Jeder muss für sich überprüfen, ob für den Weg zum Bäcker der motorisierte Untersatz nötig ist. Unser Konsumverhalten, insbesondere das tägliche Stück Fleisch ist extrem klimaschädlich. Jeder muss für sich überprüfen, ob man nicht zum wöchentlichen Sonntagsbraten zurückkehren sollte. Die Stadt hat viele Kanäle, um den Klimaschutz im Bewusstsein seiner Bürgerinnen und Bürger zu verankern. Sie muss sie nur offensiv nutzen. Klimaschutz ist keine Modeerscheinung, sondern ein langfristiges gesellschaftliches Problem, das zum Handeln auffordert.
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