Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
Letzte Kommentare
Letzte Beiträge
Autoren
Kategorien
Autorenportrait

Planlos ins Chaos

von Peter Pätzold 18.01.12, 10:46 Uhr

„Kritisch begleiten“ nötiger denn je
„Kritisch begleiten“ ist seit der Volksabstimmung der Weg der Grünen. Was bedeutet das im politischen Alltag? Wir halten das Projekt immer noch für einen Fehler. Wir pochen bei jedem Bauschritt darauf, dass Mängel und Ungereimtheiten aufgedeckt werden. Wenn nachgebessert werden muss, dann nur zu Lasten und Kosten der Deutschen Bahn. Diese ist bei der Volksabstimmung mit dem „bestgeplanten Projekt“ angetreten. Nach dem Vertrauensvorschuss durch die Mehrheit der Baden-Württemberger ist sie in der Pflicht, ein funktionierendes Projekt im vereinbarten Kostenrahmen abzuliefern, dabei die korrekten Verfahrenswege einzuhalten und die Öffentlichkeit zu informieren. Gerade die letzten Wochen gaben genug Anlass zum „kritisch sein“. Die Bahn hat mal wieder Probleme und das bereits in der Bauvorbereitung. Vor Weihnachten versprach das Unternehmen generös die Baupause für die Feiertage. Jetzt wissen wir: selbst wenn sie gewollt hätte, die Bahn könnte im Schlossgarten keine Bäume fällen. Seit Oktober 2010 gilt ein Baumfällverbot, da die Deutsche Bahn AG bisher nicht in der Lage ist, seine Maßnahmen zum Schutz von Juchtenkäfern, Fledermäusen und Vögeln darzulegen. Natur- und Artenschutz sind in Deutschland Recht und Gesetz und gelten auch für den Bauherrn Deutsche Bahn. Ähnliches Chaos auch beim Grundwassermanagement: Die Jahre der Erkundung des Stuttgarter Bodens reichten nicht aus, um zuverlässige Daten zum Grundwasser zu erhalten. Bereits im Mai 2011 beantragte die Bahn die Entnahme der doppelten Menge. Auch das reicht nicht, um im Trockenen zu bauen. Ein zweites Grundwassermanagement soll auf das Gelände des Südflügels, wie lange die Genehmigung braucht, ist unsicher. Es ist dem Bürger kaum zu vermitteln, wie man ohne Zeit- und Projektplan den Abriss des Südflügels vorantreiben kann – egal, wie er zum Projekt steht.

Profil von Peter Pätzold | Kommentieren

2 Kommentare

1 Theo Tiger (alias Leo Löwe) | 22.01.12, 23:02 Uhr

Wetten das … ?

Ich wette, dass der aktuell gültige Kostenrahmen für Stuttgart 21 von 4,5 Mrd. Euro für den Tunnelbahnhofsbau sogar noch in diesem Monat (Januar 2012) fallen wird mit dem bedauerlichen Ergebnis, dass Land, Stadt, Region, Flughafen und ggf. der Bund, also die öffentliche Hand, die nun völlig “alternativlosen” Mehrkosten entsprechend mitfinanzieren sollen.

Die Bahn-Projektbau beherrscht es perfekt, sich an den von ihr geplanten Schienenprojekten über die prozentuale Beteiligung zu refinanzieren. Je teurer ein solches Projekt wird, desto mehr bleibt am Ende an Einnahmen für Planung und Steuerung hängen.

Schade, dass Heiner Geißler diese Bau-Mafia nicht stoppen konnte / Schade, dass Herr Schuster so ein Großprojekt-Liebhaber ist / Schade, dass Winfried Kretschmann dem Herrn Grube und dem Herrn Kefer nicht 100% Paroli geboten hat! Stuttgart leidet unter einem Minderwertigkeitskomplex, der durch Bauwut aber bestimmt nicht kuriert werden kann. Kulturdenkmäler schleifen, das ist Barbarei! — Theo Tiger

Stuttgart 21: “Heiner Geißler warnt vor Vertragsbruch” - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/politik/deutschland/stuttgart-21/stuttgart-21-heiner-geissler-warnt-vor-vertrags..

2 Norbert C. Fasching | 24.01.12, 11:26 Uhr

Alternativlos in die Zukunft … ?

“Alternativlos” stolpert die Bahn AG und mit ihr zusammen die übrigen Projektbeteiligten in ein Großprojekt, das von den Auswirkungen her am Ende schlimmer sein dürfte, als der unsägliche Bau der Stadtautobahnen in den Nachkriegsjahren durch den Stuttgarter Kessel und hinauf auf die Filderebene. Und diese Operation am “neuen Herz Europas” erfolgt nun auch noch mitten im Herzen der Stadt …

Die betonierten “Soda”-Brücken stehen wenigstens irgendwo draußen, in der Pampa zwischen Erfurt und Nürnberg: Mahnmale für den Schnelligkeitswahn, Bausünden der Postwendezeit, Sanierungsfälle noch vor Inbetriebnahme jener teuren ICE-Strecke im Jahr 20XX … Stuttgart, die Stadt im Loch, baut Wühlmausgänge und schleift Baudenkmäler. Max Goldt hat die Mentalität der Kesselbewohner treffend charakterisiert, aber leider lernen sie nichts aus den Bausünden der Vergangenheit und auch der Herr schmeißt oifach koi Hirn ra’, das ist schon sehr traurig!
Nun haben sich zwei Projektpartner gefunden, um in der Postmoderne die Lösung für den Postmaterialismus zu suchen - eine Großstadt im Kessel und ein Konzern ohne Sinn für Nachhaltigkeit. Da wird auch ein “grünes” Rosensteinviertel nicht mehr viel retten können …

http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:planung-des-staatsbetriebs-deutsche-bahn-auf-falschem-gleis/60141314.html

Kommentar hinterlassen

* = Pflichtfelder, Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, alle Kommentare werden moderiert. Kontroverse Positionen sind ausdrücklich erwünscht – Beleidigungen und Beiträge ohne erkennbaren Bezug zum Thema haben hingegen keine Chance auf Veröffentlichung.


1 Basisdebatten im Erdgeschoss 2  K21 – Kopfbahnhof 3 Atomausstieg selber machen Gruene_0711 verfolgen Newsfeed abonnieren