
von Jochen Stopper 20.05.09, 14:25 Uhr
Mit dem beschlossenen Abriss der Rathausgarage und dem geplanten Neubau eines städtischen Bürogebäudes an dieser Stelle eröffnet sich für die Stadt Stuttgart eine einmalige Chance: Sie kann an diesem zentralen Ort mit einem guten Beispiel nachhaltigen Bauens vorangehen, ein Stück städtebaulicher Glaubwürdigkeit (wieder)herstellen und gegenüber privaten Bauherren und Investoren ein Signal setzen.
Der Abriss der Rathausgarage im Zentrum der Innenstadt ist schon für sich genommen eine gute Sache. Nicht nur, weil das Parkhaus hinter dem Rathaus zu den städtebaulichen Sünden ersten Ranges gehört und genauso wie andere Parkhäuser in der Innenstadt trauriges Relikt aus der gescheiterten Ära der autogerechten Stadt ist, sondern auch, weil sich seine Tristesse auf die gesamte Umgebung hinter dem Rathaus übertragen und diese zum Hinterhof degradiert hatte.
Mit dem Abriss entstehen nun für das gesamte Areal neue Entwicklungsmöglichkeiten und für die Stadt, die hier Bauherrin ist, eröffnet sich die Chance, zeitnah und Mitten im Zentrum - und eben nicht in 20 Jahren irgendwo in imaginären Vierteln hinter dem Hauptbahnhof - ein Signal für nachhaltigen Städtebau zu setzen. Denn nur, wenn die öffentliche Hand bei eigenen Projekten mit gutem Beispiel vorangeht, können die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung glaubhaft mit privaten Investoren um ökologisch und sozial anspruchsvolle und innovative Lösungen ringen.
Bisher mussten Stadtverwaltung und Gemeinderatsmehrheit in diesen Fragen von den grünen Gemeinderäten und Bezirksbeiräten immer erst zum Jagen getragen werden, erfüllten dann aber doch nahezu alle Wünsche der privaten Investoren - von Interesse an nachhaltigem Städtebau keine Spur. Dies belegen nicht zuletzt die in den letzten Monaten getroffenen Entscheidungen zum Killesberg, zur Baustellenlogistik von Stuttgart 21, zum Ministeriumsgebäude an der Willy-Brandt-Straße, zum „Quartier S“ und zum Hochtief-Gebäude an der Tübingerstraße.
Immerhin hat die Grünen-Fraktion im Gemeinderat nach langem Ringen durchsetzen können, dass die Energieeinsparverordnung (EnEV) bei Bauten auf städtischem Grund um 40 Prozent unterschritten werden muss – eine schwere Geburt, aber immerhin ein Anfang.
Die Grünen im Bezirksbeirat Mitte haben Gemeinderat und Stadtverwaltung nun aufgefordert, auf dem Gelände der Rathausgarage statt einen der üblichen 08/15-Büroklötze, ein den sozialen und ökologischen Anforderungen unserer Zeit gerecht werdendes Gebäude zu planen. Wie so etwas dann aussehen könnte, dazu haben wir Ideen zur Genüge:
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