
von Niombo Lomba 17.03.11, 13:43 Uhr
Fruchtbare Stadtbrachen mit Zwischennutzungen
Wie eine Stadtbrache zu neuer Blüte kommen kann, wurde in den letzten Monaten bei „Utopia Parkway“ deutlich. In einem leer stehenden Gebäude in der Tübinger Straße hatten sich Künstler aus aller Welt eingemietet, stellten ihre Werke aus oder arbeiteten mit anderen Künstlern an neuen Projekten. Solche Interimsnutzungen beleben ganze Stadtteile und sind ein wichtiges Markenzeichen für kreative Städte. Auch dieses Experiment hat erfreulicherweise das Vorurteil widerlegt, dass Stuttgart eine behäbige Stadt sei, in der keine Off-Szene entstehen könne. Damit sie entstehen kann, braucht es lediglich ein bisschen guten Willen, Umdenken in der Verwaltung und bei den Investoren. Die Württembergische Lebensversicherung, die hier baut, ist mit gutem Beispiel vorangegangen. Wir wünschen uns noch mehr Stadtbrachen, die mit Zwischennutzungen wieder fruchtbar gemacht werden.
Es gibt und gab glücklicherweise in Stuttgart immer wieder Künstler-Kolonien, die die Szene beleben. Am Stuttgarter Nordbahnhof hatte sich seit dem Jahr 1999 in zwanzig ausrangierten Eisenbahnwaggons eine kreative junge Szene von Architekten, Künstlern und Kulturschaffenden herausgebildet, die das Stuttgarter Kulturleben ähnlich wie die benachbarte Wagenhalle nachhaltig belebt hat. Die als Stups e.V. organisierten Nutzer des selbst verwalteten Bauzugs 3YG haben in guter Kooperation mit der Bahn gezeigt, wie Stadtbrachen intelligent und erfolgreich genutzt werden können. Die Bahn hat diese Nutzung überraschend vor kurzem beendet. Das ist kein guter Stil und kein guter kulturpolitischer Umgang, denn die Nutzer der Waggons glaubten, noch bis in den Sommer Zeit zur Räumung zu haben.
Auch die Künstler-Kolonie Utopia Parkway muss in diesen Tagen umziehen. Die Ateliers, das Künstler-Hotel und die Bar hoffen auf eine neue Bleibe im gleichen Quartier.
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