
von Thekla Walker 08.05.12, 15:33 Uhr
Neue Schulform braucht Bürgerbeteiligung
Die Ganztagsschule wird in Stuttgart ausgebaut und zwar mit Schwung – das sieht der laufende Haushalt vor. Doch was heißt das? Morgens Unterricht, nachmittags Betreuung? Grenzt Ganztagsschule nicht an Freiheitsberaubung? Was passiert mit Freunden und Hobbies? Dürfen Kinder sich noch langweilen? Die neue Ganztagsschule packt nicht einfach ein paar Stunden zum Schulalltag hinzu – es ist eine ganz neue Schulform. Richtig umgesetzt, gibt sie ungeachtet des Elternhauses allen Kindern die gleichen Chancen und bringt Eltern auf dem Weg zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter. Doch Schüler, Eltern und Vereine schauen mit Sorge auf die Diskussion zur Ganztagsschule. Eltern möchten, dass ihr Kind auch weiterhin ein Instrument erlernt. Sportvereine und die freie Kinder- und Jugendarbeit mit Jugendfarmen und Abenteuerspielplätzen müssen an die neue Schulform angedockt werden, um weiter zu bestehen. Die Kunst wird es sein, die richtige Balance aus verlässlichen Rahmenbedingungen und Flexibilität herzustellen. Was in einem Stadtteil funktioniert, passt nicht unbedingt in den anderen. Gerade bei diesem sensiblen Rahmen haben sich bisher weder die Schulverwaltung noch das Kultusministerium mit Ruhm bekleckert. Wenn die Ministerin in einem Brief Flexibilität rundheraus ablehnt, ist uns das nicht genug. Die Grünen haben das Gespräch gesucht und mit Vertretern von Vereinen und außerschulischen Bildungspartnern einen ganzen Nachmittag diskutiert. Denn Konzepten sollen nicht hinter verschlossenen Türen von „Experten“ ausgetüftelt werden. Vor Ort bringen Eltern und Beteiligte viel Erfahrung mit, der in den Findungsprozess einfließen muss. Diesen wertvollen Schatz gilt es in einem Bürgerbeteiligungsprozess zu heben, nur so werden die Rahmenbedingungen alltagstauglich und breit akzeptiert – eine richtig grüne Aufgabe also.
von Vittorio Lazaridis 24.04.12, 15:08 Uhr
Weil das Personal es uns wert ist…
Gutes Personal ist gesucht - diese Erfahrung macht nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Kommune als Arbeitgeber. Für die Stadt als Stuttgarts größter Arbeitgeber mit 25.000 MitarbeiterInnen wird sich dieser Trend aufgrund des demografischen Wandels und des hohen Altersschnitts in der Stadtverwaltung verstärken. So konnten wir in gemeinsamer Anstrengung im letzten Haushalt 100 Mio. für denn dringenden Ausbau der Kinderbetreuung stemmen. Doch was nützt der Kindergarten ohne ErzieherInnen? Alle Kommunen stehen da vor den gleichen Herausforderungen. Das Elend und die Vorteile der Wirtschaft bejammern, hilft da wenig. Im Wettbewerb um die besten Köpfe und gut ausgebildetes Personal geht die Stadt Stuttgart jetzt neue Wege und hat auf Haushaltsantrag der Grünen ein Maßnahmenpaket im Wert von 2,85 Mio. Euro geschnürt. Im Gegensatz zur Wirtschaft kann der öffentliche Dienst - auch nach der bundesweiten Tariferhöhung – nicht mit mehr harten Euros im Geldbeutel dienen. Die Tarifverträge sind zu starr. Doch auch jenseits des Lohnzettels kann ein Arbeitgeber beweisen, dass er seine Mitarbeiter schätzt. Der städtische Arbeitgeber bietet einiges, was von Mitarbeitern gewünscht wird. Flexible Arbeitszeiten mit guten Teilzeitbeschäftigungsmodellen erleichtern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Nebenbei bietet die Stadt ein durchdachtes Fortbildungsangebot – und in Zeiten schwankender Konjunktur einen sicheren Arbeitsplatz. Das neue Maßnahmenpaket fängt bei der unbefristeten Übernahme der Azubis an und hört bei der Honorierung von Jubilaren auf. Dazwischen liegen umfangreiche Qualifizierungsmaßnahmen, die besonders die ErzieherInnen ins Visier nehmen, freie Tage für Väter bei der Geburt eines Kindes und Unterstützung in der Pflege von Angehörigen. Arbeiten Sie für einen attraktiven Arbeitgeber, kommen Sie zur Stadt!
von Benjamin Lauber 24.04.12, 14:59 Uhr
Am Sonntag, 22. April 2012, am weltweiten Earth Day, gehen für eine Stunde auch in Stuttgart die Lichter aus. Genauso wie Feinstaub, Abgase und andere menschgemachte Umwelteinflüsse wirken sich Lichtemissionen nachteilig auf Umwelt und Bewohner der Stadt aus. Dort wo es nachts taghell ist, verlieren Vögel die Orientierung und Menschen den gesunden Schlaf. Nicht zu sprechen von der Energieverschwendung, wenn Bibliotheken und Museen angestrahlt und Verkehrskreuzungen bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet werden. Wer am Abend über die Neuen Weinsteige in die Innenstadt herunterfährt, erlebt den Zauber Stuttgarts. Doch muss man unbedingt ein Flugzeug auf dem Österreichischen Platz landen können? Der Earth Day ist willkommener Anlass, um über die tägliche Lichtverschwendung nachzudenken, denn unsere Laternen verbrauchen bis zu 4,5 Mio. Euro an Stromkosten. Da reicht es nicht aus, für eine Stunde das Licht auszuschalten. Von der Europäischen Union kommen strengere Licht-Richtlinien. Demnach dürfen im öffentlichen Raum keine Leuchten mehr verwendet werden, die ihr Licht nach oben abstrahlen. Diese neue Richtlinie hat Auswirkung auf fast jede Straßenlaterne in der Stadt. Stuttgarts Lichtmasterplan liegt bisher nutzlos in einer Verwaltungsschublade, doch Beleuchtungsstärken in Innenstädten lassen sich messen und damit auch zielgerichtet reduzieren. Licht kommt nicht nur Straßenlaternen, sondern auch durch die Beleuchtung von Schaufenstern, Mega-Light Boards und Reklame-Leuchttafeln. Beleuchtungsstärken sind häufig zu hoch oder verstärken sich durch die verschiedenen Lichtquellen. Niemand soll sich im öffentlichen Nahverkehr unwohl fühlen, weil es zu dunkel ist. In schummrigen Quartieren wie dem Leonhardsviertel macht mehr Licht sogar Sinn. Auch bei Licht gibt es einen Unterschied zwischen Quantität und Qualität.
von Clarissa Seitz 30.03.12, 14:14 Uhr
Stuttgart 21 zeigt sein wahres Gesicht
Viele Bürgerinnen und Bürger haben sich bei der Volksabstimmung auf die Versprechungen zu Stuttgart 21 verlassen. Nur wenige Monate später rückt sich das Bild vom Zukunftsprojekt für die Schiene zurecht, denn es fehlen bis zu 78 Mio. Euro für den Schienennahverkehr im Ländle. Es droht der Rückbau des nachhaltigen Verkehrsmittels. Damit kommt auch auf den Ballungsraum Stuttgart mehr Lärm, Stau und Feinstaub zu. Grundsätzlich bestellt das Land für den Schienennahverkehr zu fahrende Zugkilometer au dem Markt, finanziert wird dies über die Regionalisierungsmittel des Bundes. Mangels Konkurrenz kommt meist nur die Deutsche Bahn in Frage, die entsprechend die Preise diktieren kann. Im Südwesten sind sie hoch, denn die schwarz-gelbe Landesregierung schloss vor 10 Jahren mit der Deutschen Bahn einen Verkehrsvertrag, der überzogene Preise bis 2016 festzurrte – ein Schmankerl, um der Bahn den Bau von Stuttgart 21 schmackhaft zu machen. Darüber hinaus wird Stuttgart 21 auch direkt aus diesem Regionalisierungstopf mitfinanziert – bisher 286 Mio. Euro. Da wird es für den Nahverkehr immer enger. Jetzt erhöht die Deutsche Bahn vertragsgerecht die Gebühren im Schienennahverkehr um 50 Mio. Euro und kippt die Finanzierung bis 2013. Jetzt müssen vor allem die Tunnelparteien erklären, wie das Dilemma zu lösen ist, denn sie haben kritische Einwände stets weggewischt. Dabei war immer klar, dass Stuttgart 21 dem Nahverkehr nicht nur direkt schadet, sondern ihn auch indirekt kannibalisiert. Um einen Kahlschlag beim Regionalverkehr zu vermeiden, wird dem Land nun nichts anderes übrig bleiben, als die Löcher mit allgemeinen Haushaltsmitteln zu stopfen. Spätestens dann tritt ein, was die Befürworter-Phalanx ebenfalls immer geleugnet hat: Stuttgart 21 verschlingt auch dringend benötigte Mittel für Bildung, Soziales, Kultur usw.
von Benjamin Lauber 23.03.12, 15:07 Uhr
Perfekt Nutzung für leere Fläche
Der Cannstatter Wasen ist als Fläche für Volksfest, Frühlingsfest und Open Air-Konzerte weit über Stuttgart hinaus bekannt. Doch neben diesen fixen Terminen und einigen Zirkusgastspielen sowie PkW-Fahrsicherheitstrainings liegt die riesige Asphaltfläche direkt am Neckar die meiste Zeit des Jahres brach. Dabei gibt es die besten Voraussetzungen für eine intensivere Nutzung: der Wasen liegt zentral in Stuttgart und ist gut mit der Stadtbahn und dem Fahrrad zu erreichen. Beleuchtung und Stromanschlüsse gibt es ebenfalls. Gleichzeitig steht das angrenzende Gebiet des NeckarParks vor einem Umbruch. Ursprünglich als Sportpark angelegt, fallen Flächen der Bezirkssportanlage weg, da die Daimler AG ihre Logistikflächen ausbaut. Ein Ersatz für die Sportanlagen fehlt bisher, an Alltags- und Freizeitsportanlagen sind grundsätzlich stadtweit Mangelware. Doch genau die braucht es, um Sport in der Gesellschaft zu verankern. Vereinsstrukturen sind für Viele zu unflexibel, Kinder- und Jugendliche wollen einfach irgendwo kicken und dabei unter sich sein. Mit einem ausgewogenen Konzept könnten auf der Wasen-Fläche mobile Sportanlagen untergebracht werden, die bei Veranstaltungen leicht abzubauen sind. Fußballer brauchen zwei kleine Tore und eine aufgemalte Abgrenzung, Streetballer ein paar Körbe zum Spielen. Quarterpipes und Rampen für Skater kann man zur Seite schieben und für Beachvolleyballfelder braucht es ein paar Fuhren Sand und ein Netz. Natürlich darf die Sportnutzung nicht die regulären Veranstaltungen auf dem Wasen beeinflussen. Daher kommen besonders die Flächen an der König-Karl Brücke und im Bereich zwischen Reiterstadion und Mercedesstraße in Frage. Die Sportverwaltung ist aufgefordert sich in innovativ im Bereich Sportförderung Gedanken zu Kosten und möglichen Trägern zu machen. Wir sind gespannt.